Andrei kämpft für den Zusammenhalt seiner fünf Geschwister gegen alle Widerstände


Fünf Kinder, unzertrennlich wie an einem Rettungsring

Luca ist sechs Jahre alt, Ana fünf, Mara und Darius sind ebenfalls klein, und die kleinste, Ilinca, gerade einmal ein Jahr alt. Eng zusammengerückt sitzen sie auf einer Holzbank, ihre Finger verknotet und weiß vor Anstrengung. Ihre Mutter war plötzlich an einer Hirnblutung gestorben, der Vater war seit zwei Jahren spurlos verschwunden. Das Jugendamt hatte bereits alles geregelt: eine Aufteilung der Kinder, verteilt auf vier verschiedene Pflegefamilien in vier unterschiedlichen Städten. Für das System war das eine logistische Lösung. Für Andrei bedeutete das das Ende seiner Familie.

Der Auslöser: ein Foto und eine unwiderrufliche Entscheidung

Alles begann mit einem Bild, das einem dringenden Aktenstück beigefügt war. Das Gesicht dieser fünf Kinder brannte sich in sein Gedächtnis ein und ließ ihn nicht mehr los. Schon am nächsten Tag rief er das Jugendamt an. Die Antwort war deutlich: Als alleinstehender Mann ohne geeignetes Zuhause hatte er keinerlei Chance, das Sorgerecht zu erhalten. Trotzdem setzte er alles auf eine Karte. Er investierte seine Ersparnisse in den Kauf von fünf Kindersitzen, verwandelte seine Werkstatt für Möbelrestaurierung in ein Schlaflager mit Etagenbetten und brachte an jeder Steckdose eine Sicherung an. Außerdem engagierte er eine auf Familienrecht spezialisierte Anwältin. Sein Ziel war keine sofortige Adoption, sondern erst einmal eine vorläufige Obhut. Hauptsache, die Kinder konnten zusammenbleiben, bis vor Gericht eine Entscheidung fiel.

Die entscheidende Frage, die alles veränderte

Vor der Richterin Irina Marinescu wurde er vom Jugendamtsmitarbeiter als impulsiv, idealistisch und zu jung für diese Aufgabe beschrieben. Vielleicht hatte der Gesprächspartner Recht. Andrei konnte zwar keine Zöpfe flechten und wusste nicht, wie man eine fiebernde Nacht mit einem Baby übersteht. Doch die Richterin stellte die wirklich wichtige Frage: Warum sollte ein Mann in seinem Alter seine Freiheit und seine Zukunft aufgeben für Kinder, die er nie zuvor getroffen hatte?

Andrei holte tief Luft. Zum ersten Mal in seinem Leben äußerte er etwas, das man kaum auszusprechen wagt.

Das Geheimnis, das er seit seiner Kindheit in sich trug

Als er sieben Jahre alt war, starb seine eigene Mutter. Sein Vater hatte die Familie längst verlassen. Fünf Geschwister waren sie, und er war der Älteste. In einem Gerichtssaal, der diesem hier sehr ähnelte, hatten sie ihnen damals dasselbe verkündet: „Getrennte Pflegeplätze“. Seine kleine Schwester Alina drückte damals mit aller Kraft den Gürtel fest um sich. Radu war gerade vier, Maria zwei, und der kleine Matei noch keine zwölf Monate alt. Andrei hatte versprochen, dass sie schnell wieder zusammenkämen. Dieses Versprechen konnte er jedoch nie halten. Matei verstarb acht Monate später an einer falsch diagnostizierten Lungenentzündung. Niemand konnte bei seiner Beerdigung dabei sein. Andrei erfuhr es erst Monate später aus einem verloren geglaubten Brief in einem Archiv.

Vor der Richterin schloss er mit einfachen Worten: „Ich kann nicht erneut zusehen, wie fünf Kinder getrennt in verschiedene Autos steigen, nur weil es für das System einfacher ist.“

Das, was Luca sagte, ließ den Saal verstummen

Die Richterin bat darum, Luca zu sprechen. Der Junge stimmte zu, aber nur wenn Ana ebenfalls dabei sein durfte. Auf die Frage, was er brauche, antwortete der Junge mit einer erschütternden Einfachheit: „Wir brauchen kein großes Haus. Wir müssen nur in einem Haus zusammen sein.“

Die Richterin setzte die geplante Trennung aus und genehmigte eine vorläufige Obhut für sechzig Tage.

Manche Versprechen verdienen es wirklich, gehalten zu werden.